28. April 2017

Vortrag zum Thema: Homosexualität und Flucht

LGBTIQ-Geflüchtete zu Gast in der Kreisgeschäftsstelle der LINKEN.

Diskussion zum Thema Homosexualität und Flucht (Quelle: DIE LINKE:)

Die typischen Gründe für eine Flucht nach Europa sind meist Krieg, Hunger und Armut. Weit weniger im Fokus der Öffentlichkeit ist die Migration von Menschen aufgrund ihrer Sexualität, gerade bei der Präferenz von gleichgeschlechtlichen Partnern. Homosexuelle Menschen sehen sich in ihrer Heimat oft Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt und als letzte Hoffnung bleibt meist nur ein Asylgesuch in einem fremden Land, um sich vor Nachstellungen zu schützen.

Zur näheren Beleuchtung dieses heiklen Themas lud die LJF am Freitag LGBTIQ-Aktivisten und Geflüchtete mit homosexuellem Hintergrund zur Diskussion in die Kreisgeschäftsstelle der Linken ein. Alisa, eine der InitiatorInnen der LGBTIQ-Konferenz in Brandenburg-Havel und selber russischer Herkunft, konnte aus erster Hand über die Zustände in ihrer Heimat berichten. Sie stammt aus St. Petersburg, eine eigentlich weltoffene Stadt mit einer großen Gay-Community, in der sie mit ihrer Partnerin bis vor 2 Jahren lebte. 2014 wurden in Russland neue Gesetze erlassen, welche die öffentliche Auslebung von Homosexualität verboten und diese auf eine Stufe mit Pädophile stellten. Nach mehreren Gewalterfahrungen und einer öffentlichen Hetzkampagne entschloss sie sich schließlich zur Flucht nach Deutschland. Doch auch hier sah sie sich mit Problemen konfrontiert. Eine Mitbewohnerin habe sie „nicht als Frau anerkannt“ und sogar andere Migranten auf sie angesetzt.

Auch Wael, syrischer Geflüchteter, bestätigte diese Erfahrung: „Schwule leben in Heimen mit mehrheitlich homophoben Geflüchteten“, so seine Einschätzung. Institutionen wie das BAMF und das Rote Kreuz wären mit solchen Situationen schlichtweg überfordert, rieten oft sogar, die eigene Homosexualität zu verschweigen. Wael selbst floh aufgrund des Krieges aus Syrien. Er hatte aufgrund seiner Homosexualität schon seine Arbeit verloren und sah sich Anfeindungen, sowohl von Seiten der Regierung als auch von der der Rebellen, ausgesetzt. Seinem Gesuch, in eine spezielle Unterkunft mit mehrheitlich LGBTIQ-Geflüchteten verlegt zu werden,  konnte nicht entsprochen werden, da das Heim in Berlin schon komplett belegt sei. Schließlich konnten ihm Kontakte eine Wohnung in Brandenburg an der Havel  vermitteln.

Paul, politischer Aktivist aus Brandenburg, verwies auf die schwierige Lage, in welcher sich homosexuelle Geflüchtete weiterhin befinden würden. Durch das Verschweigen ihrer Sexualität würden sich viele in die Isolation gedrängt sehen. Des weiteren wäre es aber von großer Wichtigkeit, auch die Verfolgung aufgrund sexueller Neigungen, gerade beim Interview mit Mitarbeitern des BAMF, anzusprechen. Die geplante LGBTIQ-Konferenz, welche bereits zum zweiten Mal in Brandenburg an der Havel stattfinden wird, werde durch Workshops viel praktisches Wissen an Geflüchtete und Unterstützer vermitteln. Aber auch die Vernetzung zwischen Unterstützern, Sozialarbeitern, Heimleitern und Geflüchteten stehe im Vordergrund. Außerdem ist eine abschließende “Gaypride“-Demonstration vor dem Brandenburger Hauptbahnhof geplant.

Die Konferenz findet vom 9.-11.06.17 in Brandenburg an der Havel statt. Nähere Informationen zur Konferenz und Möglichkeiten zur Anmeldung gibt es unter: www.lgbti-conference.org