11. Januar 2018

Die zwei Seiten einer Medaille

Ehemalige Geschwister-Scholl-Schule in Bad Belzig wird soziokulturelles Zentrum. Dafür muss ein sozialer Hilfeverein weichen. Muss er wirlich?

Lage und Zuschnitt machen die ehemalige Schule zum begehrten Objekt für soziale Dienstleistungen. / Foto: Olaf Präger
Lage und Zuschnitt machen die ehemalige Schule zum begehrten Objekt für soziale Dienstleistungen. / Foto: Olaf Präger

Die gute Nachricht: In Bad Belzig wird der soziokulturelle Arbeit wohl ein neuer Impuls gegeben. Erfolgreiche Projekte wie die Bibliothek auf Burg Eisenhardt und das Jugendtheater „Strumpfhose“ sollen zu einem soziokulturellen Zentrum zusammengeführt werden. Hinzu kommen die durch die AWO organisierte Integrationsarbeit auf dem Trollberg und ein Teil der Jugendarbeit des CVJM Region Bad Belzig e.V..

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Artikel ist Bestandteil der MittelMarkLinks 01/2018
Das ist eine Kurzfassung, hier der gesamte Text
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2018 sollen die Bauarbeiten in dem bis 1996 als Schule genutzten Haus beginnen. Seit 2004 sind dort das Jugendtheater „Strumpfhose“ und der Verein für Arbeit und Leben (VAL) ansässig. Der VAL realisiert dort Angebote, die der Sicherung existenzieller Grundbedürfnisse von ca. 600 Nutzern dient, von der Versorgung mit Lebensmitteln, über Kleidung, gebrauchte Möbel und Fahrräder, die in einer eigenen Schneiderei bzw. Werkstatt aufbereitet werden. Viele Sozialpolitiker und sogar Verfassungsrechtler sind sind sich einig: Hartz IV und Grundsicherung werden den Realitäten nicht gerecht. Insofern ist die Existenz des VAL und seiner Angebote, die auch bis in die Integrationsarbeit reichen, wichtig. Während sich das Jugendtheater eher auf neue Möglichkeiten nach der Sanierung freuen kann, wird sich der VAL wohl eine neue Wirkungsstätte suchen müssen. Dem Verein ist zum 30. Juni 2018 gekündigt worden.

Und das ist die andere Seite der Medaille. Dabei gibt es einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11. Juli 2016, konkretisiert durch die LINKEFraktion, der u.a. vorgibt, das Konzept so zu erstellen, dass „die bisherigen Nutzungen erhalten bleiben. Die Stadtverwaltung ist verpfl ichtet, im Falle einer Kündigung „bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten an einem anderen Standort behilfl ich zu sein.“ Die „Akteure derzeitiger ... Einrichtungen (sind bei der Konzepterarbeitung) nachweisbar zu beteiligen“.

Diese Beteiligung hat bis heute nicht stattgefunden - stattdessen wurde der Verein von der Verwaltung vor vollendete Tatsachen gestellt. Dass „mit Steuermitteln, die eigens für den Zweck bestimmt sind, die Infrastruktur zu entwickeln und zu fördern, bestehende Angebote der sozialen Infrastruktur plattgemacht werden“, empfi ndet der Vereinsvorstand zu Recht als Skandal. Alternative Standorte, nach denen der Verein bereits seit 2016 ohne städtische Unterstützung sucht, sind in Bad Belzig schlicht nicht verfügbar. Damit fehlt dem VAL demnächst nicht nur das Dach über dem Kopf sondern damit auch die „Geschäftsgrundlage“.

Im Dezember wandte sich der Vorstand erneut an das Infrastrukturministerium und die Bad Belziger Stadtverordneten mit der Bitte um Unterstützung. Bisher ohne Reaktion. Es steht also in den Sternen, ob im Interesse der 600 Nutzer die VAL-Leistungen ab Mitte des Jahres weitergeführt werden können, ob den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ihre Beschäftigungsverhältnisse und den freiwilligen Helfern ihre sinnvollen Aktivitäten erhalten bleiben.
Olaf Präger, Bad Belzig

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